Montag, 24. Juni 2013

Wifo-Tanklager Bremen-Farge





Dieser Eintrag ist die Fortsetzung des vorhergehenden Eintrags "U-Boot-Bunker Valentin". Das Bild oben zeigt die Haupt-Eisenbahn- und Straßeneinfahrt in das vielleicht größte unterirdische militärische Tanklager der Welt, das zwischen 1935 und 1943 für die deutsche Wehrmacht erbaute, und bis zum Ende des Kalten Krieges auf dem neuesten Stand gehaltene, 320 Millionen Liter Treibstoff fassende Wifo-Tanklager Farge. 1957 ging das Tanklager in den Besitz des Bundesministeriums der Verteidigung über. Die Verwaltung des Geländes übernahm die damals staatliche Industrieverwaltungsgesellschaft (IVG). Die unterirdischen Treibstofftanks sind verbunkert und mit Vegetation überwachsen, somit auf Luftaufnahmen kaum erkennbar. Im Hintergrund des Bildes sieht man eine Abfüllanlage für Eisenbahn-Tankwagen, eines der wenigen, überhaupt sichtbaren Objekte der Riesen-Anlage. Als ich die Fotos machte, hatte die Bundeswehr die Anlage bereits stillgelegt oder die Stilllegung war in Vorbereitung. Deshalb war weit und breit nirgendwo mehr ein Eisenbahn-Tankwaggon zu sehen. 

Eine ausführlichere Beschreibung der Geschichte des Tanklagers finden Sie in dem Eintrag "U-Boot-Bunker Valentin" hier


Das zweite Bild zeigt die Eisenbahneinfahrt mit Sicherheitsschleuse von der Seite. Hier ist alles mit Überwachungskameras, Lichtschranken etc. "gespickt". Man fühlt sich an die Grenze zwischen der DDR und der BRD erinnert. 








Es folgt ein Bild von einer weiteren Einfahrt, jedoch nur für Kraftfahrzeuge. Da das Tor offen steht, hinter dem Tor aber ein neuer Zaun zu sehen ist, der die Straße vom Gelände trennt, ist es denkbar, daß hier bereits zumindest ein Teil an einen anderen Nutzer abgegeben worden ist (vermutlich an die "TanQuid Zweite GmbH & Co KG"). Darunter steht ein Bild von einer weiteren, schon längere Zeit nicht mehr benutzten Eisenbahneinfahrt mit stark angerosteten Gleisen. Auf dem dritten Bild ist die dortige Abfüllanlage zu sehen, auf dem vierten Bild diese stark herangezoomt.


























Es folgen Bilder von den Eisenbahnanlagen am Tanklager. Das erste Bild zeigt einen noch erhalten gebliebenen, sehr kleinen Rest mit unbenutzten und verrosteten Gleisen von den einst ausgedehnten Abstell- und Rangierbahnhöfen für die Tankwaggons. Dieser in Richtung Farge fotografierte Rest ist Teil der Strecke, die das an das Wifo-Tanklager angrenzende, nicht fertiggestellte Kriegsmarinetanklager mit Farge verbindet und nach dem Krieg als Anschlußstrecke der Garnison Schwanewede der Bundeswehr für den Panzer- und Fahrzeugtransport genutzt wurde. Auf dem Foto darunter ist ein Splitterschutzbunker auf abgeräumten Bahngelände zu sehen, den man vielleicht als Denkmal stehen gelassen hat. 

Das darauf folgende Foto zeigt das ehemalige Bahnbetriebswerk Farge, das sich zwischen den Tanklagerzufahrten und dem Bahnhof Farge befindet. Ganz rechts im Bild ist die elektrifizierte S-Bahnstrecke aus Richtung Bremen-Vegesack zu sehen. Auf dem Bild darunter kann man den Lokschuppen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs von nah sehen. Besonders bemerkenswert ist auch hier der davor stehende, noch erhaltene Splitterschutzbunker.
Es folgt ein Bild vom Personenbahnhof Bremen-Farge. Er ist ein Kopfbahnhof. Die Strecke endet hier, die Gleise enden mit einem Prellbock an einem alten Fabrikgebäude. Die S-Bahn-Züge müssen in Gegenrichtung wieder ausfahren. Im Empfangsgebäude (letztes Bild) befindet sich die Verwaltung der "Farge Vegesacker Eisenbahngesellschaft (FVE)"































Der Bremer Stadtteil Farge entstand im Mittelalter als kleines Fischer- und Bauerndorf nahe der von 1220 bis 1222 bestehenden, lange dort vermuteten Zollstelle Witteborg des Bischofs von Bremen an der Unterweser. Heute sind Historiker eher der Auffassung, daß sich die Witteborg bei Lemwerder befand. Der Ortsname "Farge" deutet auf eine Fähre hin, die hier vermutlich bereits im Mittelalter bestanden hat. Ab 1654 gehörte Farge zum schwedischen Herzogtum Bremen, das 1715 an Hannover kam. Bereits während der Zeit des Königreich Hannover begann in Farge 1854 mit der Ansiedlung der britischen Steingutfabrik "Witteburg" die Industrialisierung. Mit der Annexion Hannovers durch Preußen im Jahre 1866 wurde Farge preußisch. Der Ort blieb vorerst überwiegend ländlich geprägt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts stieg der Arbeiteranteil der Einwohner von Farge durch die Gründung der Wollkämmerei im benachbarten Blumenthal und  der Vulkan-Werft in Vegesack deutlich an. 1888 wurde die Eisenbahnstrecke von Farge nach Bremen-Vegesack eröffnet. Bis in die preußische Zeit gehörte Farge zum Amt Blumenthal, dann zum Landkreis Blumenthal. Dieser wurde 1932 an den Landkreis Osterholz angeschlossen. Ab Mitte der 1930er Jahre begann der Bau umfangreicher militärischer Anlagen, dem Wifo-Tanklager, dem Kriegsmarinetanklager, den entsprechenden Erweiterungen der Eisenbahnanlagen, schließlich dem U-Boot-Bunker "Valentin" mit den entsprechenden Zwangsarbeiterlagern, dem Konzentrationslager und einem "Arbeitserziehungslager". Eine großräumige Rüstungslandschaft prägte den Ort und seine Umgebung fortan entscheidend und bis heute. Erst 1939 wurde Farge der Stadt Bremen angegliedert. Heute ist Farge ein eher ärmlich wirkender Stadtteil, der mit seinen Arbeiterhäusern, alten Fabrikhöfen, Wohnblocks, dem Kohlekraftwerk und dem kleinstädtischen Charakter des Ortes an einige Regionen des Ruhrgebietes erinnert. 








1 Kommentar:

Otwin Skrotzki hat gesagt…

Am 22. Oktober 2013 meldete die "taz", daß die Firma TanQuid bereits am 31. Mai 2013 das Tanklager wieder verlassen hat. Sie hatte den von ihr genutzten Teil des Tanklagers nicht gekauft, sondern nur gepachtet. An einem Kauf sei die TanQuid nicht interessiert, die Bundeswehr wolle aber verkaufen und habe den Vertrag mit der TanQuid gekündigt, so die "taz". Zur Zeit (Oktober 2013) sind sämtliche Tanks leer, und das gesamte Gelände wieder komplett militärischer Sicherheitsbereich der Bundeswehr, die weiterhin nach einem Käufer sucht.

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